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Warum Trauma Dich zu den Falschen Hinzieht: Die Wissenschaft hinter ungesunden Beziehungsmustern

  • Autorenbild: Rebecca Rinnert
    Rebecca Rinnert
  • 8. Dez.
  • 3 Min. Lesezeit

A soft, pastel-colored circular diagram showing the trauma bond cycle. Four stages—Familiarity, Emotional Activation, Hope, and Repetition—are connected with gentle arrows. Minimalist human silhouettes and small icons like a heartbeat, lightning bolt, and anchor represent nervous system responses.

Wenn sich das Falsche vertraut anfühlt

Viele Menschen kennen dieses Muster: Du triffst jemanden, fühlst sofort eine starke Anziehung – aber nach kurzer Zeit merkst du, dass die Beziehung schmerzhaft, verwirrend oder sogar toxisch wird.Trotzdem fällt es unglaublich schwer, loszulassen. Oder du triffst jemanden, der freundlich, sicher und emotional verfügbar ist – und spürst… nichts.

Dieses scheinbar paradoxe Verhalten hat tiefe Wurzeln in Trauma, Neurobiologie und Bindungspsychologie.Und vor allem: Du bist damit nicht allein, und es ist kein Charakterfehler – es ist ein Nervensystem-Pattern.


Was in deinem Nervensystem wirklich passiert

Dein Körper sucht nicht “das Richtige”, sondern das Bekannte

Unser Nervensystem ist darauf programmiert, das zu wählen, was es kennt, nicht unbedingt das, was uns guttut.Wenn frühe Erfahrungen geprägt waren von:

  • emotionaler Unberechenbarkeit

  • Nähe-Distanz-Schwankungen

  • fehlender Sicherheit

  • Überforderung oder Vernachlässigung

…dann fühlt sich genau das später wie „Liebe“ an.

Aus Sicht des Polyvagal-Systems wird frühe Unsicherheit zu einer gespeicherten „Landkarte der Beziehungssicherheit“.Und das bedeutet:Chaotische Menschen aktivieren dein Nervensystem auf eine Weise, die vertraut wirkt.


Warum wir vertrautes Chaos mit „Liebe“ verwechseln

Der Dopamin-Kortisol-Cocktail

Unvorhersehbare Menschen erzeugen:

  • Dopamin-Peaks (Aufregung, Idealisation, Sehnsucht)

  • Cortisol (Stress, Angst, Verlustgefühle)

Diese Mischung ist neurobiologisch süchtig machend.Trauma und Beziehungen verschmelzen in einem Muster, das sich intensiv anfühlt – aber nicht stabil.

Der Körper verwechselt „intensiv“ mit “wichtig

Weil dein Nervensystem früh gelernt hat, dass Liebe = Anstrengung ist, interpretiert es Ruhe oft als „Gefahr“ oder „Langeweile“.So entsteht der Kreislauf ungesunder Partnerwahl.


Die Rolle von Kindheitstrauma & Bindungsmustern

A split-scene illustration showing a small inner-child figure reaching toward a shadowy adult silhouette on the left, symbolizing familiar but unsafe patterns. On the right, the adult self stands in warm light, representing a choice for safety and healing. Warm neutrals, soft blues, and golden tones create an emotional, comforting mood.

Bindungstrauma wird zu Beziehungskompass

Kindheitstrauma beeinflusst deine späteren Partnerentscheidungen durch:

  • unbewusste Loyalität zum Familiensystem

  • implizite Erinnerungen („So fühlt sich Nähe an“)

  • Schutzstrategien wie People Pleasing, Rückzug oder Hypervigilanz

Beziehungen, die eigentlich sicher wären, lösen dann Nervosität aus – während ungesunde Partner „vertraut“ wirken.

Beispiele aus der Praxis (anonym & allgemein)

Ein Beispiel:„Anna“ wuchs mit einem emotional wechselhaften Elternteil auf. Später verliebt sie sich immer wieder in Partner, die Distanz erzeugen oder emotional abwesend sind. Sicherheit fühlt sich für ihr Nervensystem ungewohnt – fast fremd – an.


Traumabonding – Wenn Schmerz sich wie Zuhause anfühlt

Warum es so schwer ist, sich zu lösen

Traumabonding entsteht, wenn Schmerz und Nähe neurologisch miteinander verknüpft sind.

Typische Signale:

  • starker Wunsch, gesehen zu werden

  • Idealisation

  • Angst, verlassen zu werden

  • Kreislauf von Hoffnung & Enttäuschung

  • Gedankenkreisen & körperliche Symptome

Das ist kein „Drama suchen“.Es ist ein Körper, der versucht, ein altes Muster zu lösen – in der Hoffnung, diesmal endlich sicher zu landen.


Warum gesunde Menschen sich „langweilig“ anfühlen

Sicherheit fühlt sich ungewohnt an

Gesunde Partner wirken oft:

  • ruhig

  • konstant

  • emotional erreichbar

  • klar in ihren Grenzen

Wenn dein Nervensystem auf Alarmmodus kalibriert ist, können diese Eigenschaften zu wenig stimulierend wirken.Aber:Das, was sich zuerst “langweilig” anfühlt, ist oft genau das, was dich heilt.


Wie du den Kreislauf durchbrechen kannst

Schritt 1 – Erkenne das Muster

Frage dich:

  • Fühlt sich Intensität wie Liebe an?

  • Verwechsele ich Nervensystem-Aktivierung mit Begeisterung?

  • Reagiere ich stärker auf Unverfügbarkeit als auf Präsenz?

Allein das Erkennen ist der erste Schritt zur Veränderung.

Schritt 2 – Arbeit mit dem Nervensystem

Trauma und Beziehungen sind eng verknüpft mit deinem autonomen Nervensystem.Regulation ist daher die Grundlage jeder nachhaltigen Veränderung.

Schritt 3 – Neue Beziehungserfahrungen schaffen

Das bedeutet nicht, direkt in eine Beziehung zu springen.Es beginnt mit:

  • sicheren Freundschaften

  • gesunden Grenzen

  • Konsistenz

  • Selbstempathie

Je mehr dein Körper Sicherheit erlebt, desto weniger fühlt er sich zu Chaos hingezogen.


Somatische Übungen zur Reorientierung

An infographic of a human head and torso in soft green tones showing the brain, highlighted limbic system, and vagus nerve pathway. Keywords “safety,” “activation,” and “familiarity” are placed near the body to explain how trauma shapes attraction patterns.

Grounding – Die 3-Punkte-Orientierung

  1. Sitze oder stehe stabil.

  2. Benenne 3 Dinge, die du siehst.

  3. Atme tiefer ein und spüre deine Füße.

  4. Benenne 3 Geräusche, die du hörst.

Das hilft dem Nervensystem, in den „Social Engagement Mode“ zurückzukehren.

Hand-auf-Herz-Übung

  • Eine Hand auf die Brust, eine auf den unteren Bauch

  • Langsames Ausatmen

  • Ein Satz wie: „Ich bin sicher im Jetzt“


Abschluss: Es ist nicht deine Schuld – und es ist veränderbar

Wenn du dich zu den „Falschen“ hingezogen fühlst, bedeutet das nicht, dass du gebrochen bist oder schlechte Entscheidungen triffst.Es bedeutet, dass dein Nervensystem genau das wiederholt, was es gelernt hat.

Und das Gute ist:Nervensysteme können umlernen.Beziehungen können heilen.Und du kannst neue Muster entwickeln, die Sicherheit, Respekt und echte Verbindung ermöglichen.



 
 
 

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