Chronische Erkrankungen & das Nervensystem: Warum dein Körper überflutet ist und wie du wieder Ruhe findest
- Rebecca Rinnert
- 1. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Wenn du mit einer chronischen Erkrankung lebst, fühlst du dich vielleicht oft, als würde dein Körper ununterbrochen Alarm schlagen. Müdigkeit, Entzündungen, Schmerz, Brain Fog, Herzrasen, Erschöpfung oder unerklärliche Flare-Ups können sich anfühlen wie ein Sturm, der einfach nicht abzieht. Viele Menschen mit Autoimmunerkrankungen, Long COVID, chronischer Erschöpfung oder komplexen Schmerzsyndromen spüren intuitiv, dass ihre Symptome tiefer gehenals nur „Stress“.
Und sie haben recht.
Immer mehr Forschung zeigt, wie eng chronische Erkrankungen, Trauma und nervous system dysregulation miteinander verflochten sind. Dieses Zusammenspiel wird zunehmend als chronic illness trauma verstanden – ein Kreislauf, in dem sich körperliche Symptome und ein überfordertes Nervensystem gegenseitig verstärken.
In diesem Artikel erfährst du, warum dein Körper sich „überflutet“ anfühlt, welche Rolle Trauma spielt, und welche sanften somatischen Ansätze dir helfen können, wieder mehr Ruhe und innere Stabilität zu finden.
Wie chronische Erkrankungen das Nervensystem beeinflussen
Chronische Erkrankungen wirken nicht nur auf einzelne Organe – sie beeinflussen das gesamte neuroimmunologische System. Dauerhafte Entzündungen, Immundysregulation und Energiedefizite senden dem Körper ständig unterschwellige Bedrohungssignale. Das Nervensystem reagiert darauf mit Alarmbereitschaft.
Viele Betroffene beschreiben einen Zustand von „müde, aber gleichzeitig aufgedreht“ – ein Kernzeichen von nervous system dysregulation.
Müdigkeit, Brain Fog, Entzündungen
Diese Symptome sind neurophysiologisch erklärbar:
Müdigkeit: Der Körper läuft im Überlebensmodus – das verbraucht enorm viel Energie.
Brain Fog: Bei chronischer Überforderung schaltet der präfrontale Cortex in eine Art Sparmodus.
Entzündungen: Der Sympathikus verstärkt entzündliche Signale, der Vagus verliert seine beruhigende Wirkung.
Diese Symptome sind kein „Fehler“ – sie sind Schutzmechanismen.
Kampf/Flucht/Erstarrung bei chronischen Erkrankungen
Wenn eine Erkrankung den Körper erschöpft, kann er leichter in Überlebensreaktionen kippen:
Kampf: Reizbarkeit, Entzündungsanstiege, erhöhte Muskelspannung
Flucht: Nervosität, innere Unruhe, Schlafprobleme
Erstarrung: Erschöpfung, Kollaps, Benommenheit, Rückzug
Fawn: Überanpassung auf Kosten der eigenen Ressourcen
Diese Muster sind nicht psychisch, sondern physiologisch. Sie sind Teil des Zyklus von chronic illness trauma.

Die Verbindung zwischen Trauma und Autoimmunerkrankungen
Die Forschung zum trauma autoimmune link wächst rasant. Studien zeigen, dass unverarbeitetes Trauma langfristig das Immunsystem prägt:
Traumatische Erfahrungen erhöhen entzündungsfördernde Zytokine.
Dauerstress beeinträchtigt die vagale antiinflammatorische Bremse.
Menschen mit hoher ACE-Belastung erkranken häufiger an Autoimmunstörungen.
Flare-Ups treten häufiger in emotional belastenden Phasen auf.
Das bedeutet nicht, dass Trauma Ursache einer Erkrankung ist.Aber es zeigt, wie Trauma, Immundysregulation und das Nervensystem eine Art Rückkopplungsschleife bilden – ein Kernmechanismus hinter chronic illness trauma.
Warum dein Körper „überflutet“ ist: Die Wissenschaft der Dysregulation
Viele Menschen mit chronischen Erkrankungen beschreiben ein Gefühl der totalen Überwältigung. Kleine Auslöser führen zu großen Reaktionen. Das Nervensystem wirkt dünnhäutig, reizempfindlich oder schnell erschöpft.
Ein hilfreiches Bild ist das eines überfluteten Motors:zu viel Input, zu wenig Regenerationskapazität.
Dysregulation kann sich zeigen durch:
plötzliche Erschöpfung
Anspannung ohne Grund
entzündliche Schübe
Reizempfindlichkeit (Licht, Geräusche, Berührung)
Verdauungsprobleme
Gefühl von Dissoziation oder „Watte im Kopf“
Schlafstörungen
Die polyvagal theory chronic illness beschreibt, wie der Körper in diesen Zuständen feststeckt, weil der Vagusnerv keinen Zugang zu Ruhe- und Reparaturprozessen findet.
Somatische Heilungsansätze bei chronischer Erkrankung
Somatische Arbeit bedeutet nicht, Symptome zu ignorieren, sondern dem Nervensystem behutsam wieder Sicherheit zu vermitteln. Diese Ansätze sind besonders wirksam bei somatic healing chronic illness, weil sie das System von innen heraus beruhigen.
Milde Übungen zur täglichen Regulation
1. Atmung – sanft, langsam, ohne Druck
Versuche keine „perfekte“ Atmung, sondern weiche Ausatmungen.z. B. 4 einatmen, 6 ausatmen – nur, wenn es angenehm ist.
2. Erdung – Kontaktpunkte spüren
Hände auf die Oberschenkel, Füße am Boden, Körpergewicht im Stuhl.Sage innerlich: „Ich bin gehalten.“
3. Orientieren – dein Nervensystem aus dem Alarm holen
Drehe deinen Kopf langsam im Raum. Nimm Formen, Farben, Licht wahr.Das sagt deinem Stammhirn: „Alles ist sicher genug.“
4. Vagusaktivierung über sanfte Töne
Humming, Summen oder ein langes „mmm“.Dieser Ton stimuliert die ventrale Vaguslinie und wirkt direkt beruhigend.
5. Micro-Movement – minimale Bewegungen
Winzige, langsame Bewegungen lösen Erstarrung:
Schulterkreisen
sanftes Wiegen
Mini-Drehungen der Wirbelsäule
Zehen strecken oder rollen
Perfektion ist unwichtig – Sanftheit ist entscheidend.
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist
Traumasensible Begleitung kann hilfreich sein, wenn du:
häufig in Shutdown oder Panik kippt
dich durch Stress getriggert fühlst
unverarbeitete Traumaerfahrungen hast
dich in chronic illness trauma Mustern wiedererkennst
das Gefühl hast, dein Körper arbeitet „gegen dich“
Therapeut*innen mit Erfahrung in Neurobiologie, Trauma und chronischen Erkrankungen können helfen, deinen Weg zurück in Regulation zu begleiten – Schritt für Schritt.
Schluss: Dein Körper ist nicht defekt – er versucht, dich zu schützen
Deine Symptome sind kein Zeichen von Versagen.Sie sind ein Zeichen von Intelligenz: ein Körper, der versucht, dich vor weiterer Überforderung zu bewahren.
Chronische Erkrankungen sind komplex – doch dein Körper ist nicht „kaputt“.Er kommuniziert.Er schützt.Er sucht Balance.
Mit Wissen, Unterstützung und sanften somatischen Übungen kann dein Nervensystem lernen, wieder mehr Ruhe, Sicherheit und inneren Halt zu finden.
Du verdienst genau das.
FAQ
1. Sind meine Symptome „nur psychisch“?
Nein. Trauma beeinflusst Immunsystem, Hormone und Entzündungswege zutiefst körperlich.
2. Können somatische Übungen meine Erkrankung heilen?
Sie heilen die Erkrankung nicht – aber sie reduzieren Belastung, Dysregulation und Flare-Ups spürbar.
3. Warum verschlimmern Stress und Emotionen meine Symptome?
Weil das Nervensystem enger mit dem Immunsystem verknüpft ist, als die meisten denken.
4. Gibt es wirklich wissenschaftliche Hinweise für den trauma autoimmune link?
Ja – Studien zu ACEs, neuroimmunen Prozessen und Inflammation zeigen eindeutige Zusammenhänge.
5. Wie schnell kann sich mein Nervensystem beruhigen?
Das ist individuell. Doch kleine, regelmäßige Übungen bewirken oft erstaunliche Veränderungen.



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